Kauf weniger, Kauf besser

Nach Weihnachten beginnen der Sales. 30 – 40 – 70% auf den angestammten Verkaufspreis, der noch bis vor kurzem bezahlt werden musste. Wir stören uns an diesem Wertezerfall aufgrund des Preisschildes.

Es zeigt zum einen den Druck, den die Verkaufshäuser spüren. Zum einen braucht es rasch Platz für die neue Kollektion, zum anderen will man nicht auf den alten Teilen sitzenbleiben. Sie verursachen wiederum Kosten auf unterschiedlichen Ebenen (Rücktransport ins Zentrallager, Lagerkosten, ggf. Entsorgungskosten, …). Auf der anderen Seite wird auch das Phänomen sichtbar, dass ich mir im Sale nun plötzlich ein Textil leisten kann, dass vor wenigen Wochen noch ausserhalb meines Budgets gelegen hat. Das ist im Grundsatz wunderbar, denn sich etwas bewusst leisten ist aus unserer Sicht auch ein Akt der Selbstliebe. Wenn wir uns aber offen und ehrlich fragen, warum wir im Sale zupacken, dann sind es oft ganz andere Impulse als ein Bedarf an einem neuen Pullover, weil ich meinen Alten ersetzen möchte. Es sind die Impulse die dazu führen, dass wir Kleidungsstücke kaufen, die wir dann nie oder nur sehr wenig tragen.

Studien von Fashion Revolution zeigen, dass in einem Schweizer Kleiderschrank im Durchschnitt 118 Kleidungsstücke hängen. Die Fashion Revolution will wissen, dass jedes Jahr Herr und Frau Schweizer 60 neue Stücke dazukaufen. 40% der Kleider werden nie oder nur 2-4 Mal getragen.

Wir bei 5th of June glauben, dass ein Produzent oder ein Eco Fashion Store wie wir die Pflicht hat, zu sensibilisieren und aufzuklären mit grösstmöglicher Transparenz. Die gesamte Branche trägt eine grosse Verantwortung diesem Konsumwahn entgegenzuwirken. Es ist aus unserer Sicht beim Thema Konsum unabdingbar zu verstehen, wie mächtig die Textil- und Bekleidungsbranche ist. Denn weltweit ist schätzungsweise jeder 6 arbeitstätige Mensch für die Branche tätig. Laut Fashion Revolution (Webseite, Abgefragt 4.1.2021) reicht der Minimallohn, den Arbeiter*innen erhalten nicht zum Überleben in den meisten Ländern. Mit einem existenzsichernden Lohn hingegen wären die Grundbedürfnisse einer Familie (Schule, Transport, Essen, Miete, Gesundheit etc) gedeckt und es bliebe ein kleiner Teil des Lohns übrig, um zu sparen oder für Notfälle gewappnet zu sein. Die Produktionsbedingungen sind oft Katastrophal und die Menschenrechtsverletzungen leider an der Tagesordnung (Public Eye). Es darf aber davon ausgegangen werden, dass die Rabatte bereits von Beginn an einkalkuliert sind, die grossen Händler das Risiko mehr oder minder gut abschätzen können. Das bedeutet, dass viele Zulieferer, Rohstofflieferanten und Textilverarbeitende einem immer stärker zunehmenden Preisdruck ausgesetzt sind.

Hinter jedem Preisschild geht es um Fairness. Die Wertschätzung der immensen Arbeit die hinter dem Produkt geht jedoch mit dem roten Sales-Tag mehr und mehr verloren. Fashion Revolution schreib auf ihrer Webseite, dass wir mehr Kleidung kauf und geben weniger dafür aus. Vor einem Jahrhundert gaben wir mehr als die Hälfte unseres Geldes für Lebensmittel und Kleidung aus, heute ist es weniger als ein Fünftel. Wenn wir also wirklich etwas ändern wollen, dann müssen wir alle weniger und bessere Qualität konsumieren. Und das darf für uns alle etwas kosten, denn die Erde verlangt von uns Menschen nichts.

Um möglichst bewusst und schonen die Ressourcen wie Rohstoffe, Produktionskapazitäten und Kapital einzuplanen, versuchen wir, unser Lagergeschickt zu führen. Wen wir frühzeitig erkennen, was von unseren Kundenverlangt wird, so können wir diese wertvolle Information an unsere Produzenten weitergeben und beim Einkauf entsprechend berücksichtigen. Trotz grösster Sorgfalt von unserem Team kann es passieren, von einem Produkt etwas zu viel an Lager zu haben. Das kann sein, dass das Wetter bspw. nach anderen Produkten verlangt, als wir erwartet haben. Oder dass ein Printmotiv weniger Resonanz erhält, als wir uns dies erhofft haben. Es kann auch passieren, dass ein Produkt die Erwartungen schlicht nicht erfüllt, weil ein Nahtverlauf beim Tragen störend wirkt oder ein Reissverschluss oder eine Knopfreihe nicht gefällt. Und auch bei bei uns binden Lagerartikel Platz und liquide Mittel. Um den Geldfluss ideal zu gestalten, greifen wir auch auf die Mechanismen des Marketings zurück. Wir platzieren die Produkte etwas prominenter im Webshop, Deklarieren einen Preisnachlass in einem Blogpost oder wir weisen Dich mit einem Mailing auf einen Preisnachlass hin. Unsere Angebote sind auch neuerdings auch visuell gut erkennbar mit einem grünen fair Hangtag im oberen linken Bildrand. Wir überlegen uns immer ganz genau, wie wir beispielsweise Vorbestellungsaktionen und Rabatte kalkulieren. Preisnachlässe gehen niemals auf Kosten von Produzenten. Das bedeutet, wir verhandeln nicht über tiefere Preise. Diese tragen wir zu 100% aus dem eigenen 5th of June Portemonnaie. Unsere Lieferanten und Produzenten bezahlten wir hauptsächlich via Vorauszahlung, damit Menschen in der Herstellung rechtzeitig und gerecht bezahlt werden können.

Ein Preisnachlass hat schon auch für uns das Potenzial, Kunden anzusprechen, die eher auf Angebote mit Rabatten reagieren. Es ist auch eine Chancen Menschen anzusprechen, die sich schon länger ein Produkt aus unserem Sortiment kaufen wollten und sich von 5th of June überzeugen möchten. Dann ist ein etwas reduzierter Preis immer eine gute Möglichkeit dazu. Zudem ist es eine gute Gelegenheit ein ausgedientes Textil in Deinem Kleiderschrank mit einem fairen Produkt zu ersetzen, weil das alte Teil nun ausgedieht hat. Ein Preisnachlass ist aus unserer Sicht auch dann wertvoll, wenn das Budget etwas knapper ist für Eco Fashion. Doch überall dem steht der Wert für uns, dass Du Dir mit dem Einkauf etwas gutes Tust und nicht, deswegen weil es auch hipp ist, in einem Eco Fashion Shop einzukaufen.

Sag mal, wieviel Kleidungsstücke hast Du in Deinem Kleiderschrank?

 


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